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Der Startschuss zur ersten Oberrhein-Rallye ist gefallen. Wir schreiben das Jahr 1964. Motor und Organisator, wie könnte es anders sein, war Magnus Gruber. Rallye-Erfahrung und Clubengagement, die Freude, die Clubfamilie zum gemeinsamen Feiern anzuregen, war seine Idee. Die vorausgegangenen Such- und Familienboot-Regatten waren ein voller Erfolg. Fast alle Mitglieder des damals noch »kleinen« 1. MBC Speyer hatten mitgemacht. Der olympische Gedanke: »Dabei sein ist alles« war für alle die Devise, und jeder freute sich nach der Auswertung, einen Silberbecher und eine Urkunde in Händen zu halten. Und das anschließende Fest: Der Chronist stellt spätestens hier die Frage: War's die Rallye oder das gemeinsame Fest, das die Beteiligung ausmachte? Beides gehört eben zusammen, und Feste konnte unser »Erster und einmaliger Motorbootclub« schon immer feiern! Also: Rallye und Sommernachtsfest gehören und gehörten zusammen. In den Jahren darauf wurden die Bootsfreunde aus den benachbarten Clubs zur Teilnahme eingeladen. Und sie kamen! Bis zu 30 Boote waren am Start und trafen sich im schon traditionellen Ziel, im Berghäuser Altrhein. Wie in den Jahren zuvor, mussten vor Verkünden des Siegers einige Schoppen durch die Kehlen rinnen, denn die Auswertung war vom ersten Tag an sehr zeitraubend und langwierig. Doch nach Verkünden des Siegers war alles vergessen, und die Siegerpokale wurden oft - oft gefüllt. Im Jahre 1964 verstarb ein Gönner und großer Freund unseres Clubs, Dr. Dr. Leonhard Voelcker. Ab 1965 wurde aus Dankbarkeit zu ihm die »Dr. Leonhard-Voelcker-Gedächtnis-Rallye« gestartet, und sie sollte weiterhin seinen Namen tragen. Unsere Rallye wurde größer und weit über die Grenzen des Reffenthals hinaus bekannt. Einladungen wurden in den darauf folgenden Jahren an alle Motorbootclubs am Oberrhein verschickt, mit dem Erfolg, so dass über 40 Boote am Start waren. Die Arbeit der Pioniere hat sich gelohnt! Der 1. MBC, mittlerweile im Reffenthal beheimatet, orientierte sich auch in den darauf folgenden Jahren auf sein Areal. - Es war zwar noch nicht so schön wie heute, doch gab es genügend Platz am Ufer zum Festmachen für viele Boote. - Der »Monte Sando«, höchster Berg im Reffenthal, mußte erklommen werden, die »Liebesinsel« erforscht, und bei unseren Freunden der Bundeswehr, denen wir sehr viel zu verdanken haben, wurden Armbrust, Pfeil und Bogen, Luftgewehr geschossen.
Die Zeit der Benzinkrise forderte sowieso kürzere Rallyestrecken, was sich leider auch auf die Beteiligung auswirkte. Neue Akzente mussten gesetzt, die Rallye interessanter gestaltet werden. Leichter gesagt, als getan! Vater Rhein fließt nun mal in seinem Bett, Umleitung nicht möglich. Altrheinarme v erden immer mehr für Motorboote gesperrt, und die Suchobjekte am Ufer sind schon jahrzehnte, jahrhunderte alt. Und, was ganz groß herausgestellt werden sollte, die Rallye des 1. MBC ist keine Rennveranstaltung für Raser oder Altrheinrowdies! Sie soll Freude am Bootssport sein und die Kenntnis über die gesetzlichen Vorschriften auf dem Rhein auffrischen bzw. ergänzen. Jeder Skipper sollte sein Boot bestens kennen und manövrieren können.
Die neu gewählte Crew versuchte ab 1977 all diese Forderungen in ihrem Programm unterzubringen. Rallyeerfahrung zu Land und zu Wasser wurden versucht, in den Rallyekatalog einfließen zu lassen. Um das Ganze nicht so nüchtern ins »Gebetbuch« zu übersetzen, halfen in einem aufwendig vorbereiteten Bordbuch Figuren wie Asterix und Obelix, Daisy und Donald Duck. Sie zeigten den Teilnehmern auf ihre lustige Art, wo die Fahrt hinführte: Erst im Reffenthal Umrunden verschiedener Inseln, zusammensetzen von versteckten Buchstaben und dann ab auf den Rhein. Von - bis Stromkilometer mal ganz schön gleichmäßig und langsam mit selbst gewählter Geschwindigkeit fahren, dann am Ufer markante Gegenstände aufzeichnen, Pappeln zählen, Telegrafenmaste, Schornsteine, Tragseile und Schifffahrtszeichen einzeichnen. Und dann noch Prüfungsfragen aus dem Führerschein-Fragebogen beantworten! Und das Ganze, wenn möglich, in Schönschrift!
Erstes Etappenziel - Neuer Hafen - Peter Hebel: Abgeben des 1. Fragebogens und 2. Fragebogen entgegennehmen. Strom auf oder Strom ab, das ist hier die Frage. Also, wieder alles durchlesen, ausarbeiten und Kommando an Steuermann... Nach ca. 1 1/2 bis 2 Stunden Eintreffen im Ziel »Reffenthal«. Bevor jedoch die Mannschaft das Boot verlässt, müssen bei unseren Freunden der Marinekameradschaft verschiedene Knoten (Knibbel) vorgemacht werden. Und das gibt, bei Nichtkönnen, nur Minuspunkte. Ganz schön fies!
Von jetzt an wird's lustig! Die Gaudiprüfung beginnt. Um allen Gästen des Clubs Gelegenheit zum Anfeuern zu geben, wird dieser Teil immer zwischen Steiger und Ufer durchgeführt.
Das Ausdenken dieses Rallyeteils bereitet den Verantwortlichen meist die größte Sorge. Doch irgendein Blödsinn fällt uns immer ein. Wie zum Beispiel Waschbütt fahren, Skifahren, oder auf einem Styroporblock von der eigenen Crew auf Zeit ans Ufer gezogen werden. Besonderen Lacherfolg erzielte hierbei ein dauergewellter Figaro, der nach dem Wassern wie eine triefende Bachratte den rettenden Steiger erklomm.
Die anschließende Siegerehrung und das Sommernachtsfest haben alle Rallyeaufregungen und Anstrengungen belohnt. |