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Die Rheinschnook Oberrheinrallye 1. MBC 1986


Aufbau im Reffenthal: Entstehung des „Paradieses“

Von 1963 bis 1965 hatte der 1. MBC Speyer seinen ersten Clubhafen im Neuen Hafen. Es war eine Steganlage für zwölf Boote, teilweise sogar überdacht. Auf dem neuen Ufer, an dem 1965 der Speyerer »Odysseus« an Land gegangen war, entstand nun »unser Club«. Ein »Zeitgenosse«, Magnus Gruber, damals 2. Vorsitzender, schildert den Aufbau:
»Es war soweit: Wir hatten ein Gelände im Reffenthal. Mit Feuereifer wurde »unser Land« vermessen, abgesteckt und im Geist sahen wir schon in etwa, was einmal dort entstehen sollte. Gelände ist eigentlich aber nicht der richtige Ausdruck für die »Mondkraterlandschaft«, die sich dort bot: es war eine echte Berg- und Tallandschaft, von Unkraut überwuchert, unwegsam, verwildert.

Aber was soll's? Wir hatten ja schließlich Clubfreund Kittelberger (der »Batzer«) und der wiederum hatte entsprechende Erdbewegungs-maschinen von einer Größe und Stärke, dass man auch den Dschungel hätte roden können. Ein Anruf genügte und schon kam ein solches Ungetüm per Tieflader nebst einem freundlichen und hilfsbereiten Raupenführer an. Auf gings! Die riesige Schubschaufel fraß sich in die Erdhügel, schob sie zur Seite, »bügelte« Unebenheiten glatt, warf dort einen Damm auf und füllte hier eine Grube aus. Rastlos fuhr das Ungetüm auf und ab, hin und her: unser Platz nahm Formen an. Am Abend des ersten Arbeitstages hätte man schon Fußball spielen können auf der neu geschaffenen Ebene. Aber weiter gings: der Damm, über den wir heute (auch bei Hochwasser) trockenen Fußes unseren Steg erreichen können, wurde aufgeschüttet und festgewalzt. Nun gings an die Zufahrt. Mancher Weidenbaum musste weichen bis die Piste freilag, auf der man heute mit dem Wagen unser Clubgelände erreicht. Auch hier musste wieder aufgeschüttet, ab­gehoben und glatt gebügelt werden, bis man endlich von einem Weg reden konnte. Hierbei muss noch erwähnt werden, dass im ersten Abschnitt unseres Anfahrtsweges eine tiefe Mulde war, die wir beim besten Willen mit dem vorhandenen Material nicht füllen konnten. Guter Rat war teuer, nicht aber für die Verantwortlichen des 1. MBC.

 

 

Bald hatten wir ausbaldowert, dass in einer Ziegelei in Heiligen­stein Backsteinbruch lagerte, der sich vorzüglich für den Unterbau der etwa 80 Meter langen Piste eignete. Wie aber kommen Ziegelsteine von Heiligenstein zum Reffenthal? Auch dieses Pro­blem war zu lösen dank der Hilfsbereitschaft unseres Clubfreun­des Eugen Gräber, der einen Schaufellader zur Ziegelei transportierte, um dort das Baugut aufzuladen. In rollendem Einsatz fuh­ren dann die Lkw's von Gräber, Kittelberger, Möhler und Johnen zwischen dem Reffenthal und Heiligenstein hin und her: am Abend war die Trasse fertig, nachdem wir sie noch mit Auffüllmaterial - freundlicherweise von der »Voglers-Margret« spendiert - planiert und mit einem Rüttler festgestampft hatten. Tags darauf weihten wir die »B Null« feierlich ein, ein Band wurde durchschnitten und als prominentes Fahrzeug fuhr ein Kinder­wagen, geschoben von Renate, der Gattin unseres damaligen Hafenmeisters Hufnagel, als erstes über die jungfräuliche Straße. Wie waren wir stolz und glücklich, auch dieses Stück Arbeit hin­ter uns zu haben. Das natürlich auch ein Schluck Sekt zur Feier des Tages nicht fehlen durfte, versteht sich am (Straßen)rande...

Nun begann der Bau unserer Steganlage. Schon Wochen vorher hatten wir uns über die Konstruktion Gedanken gemacht und fanden eine Lösung für einen stabilen, aber auch praktischen Steg und die daran anschließenden Bootsboxen. Bei Canali wurden die großen Hauptschwimmer aus Blech gerollt und zusammengeschweißt, desgleichen die schwere Eisenkonstruktion, die den Hauptsteg tragen sollte. Reeling und Ausleger wurden ebenfalls fertig gestellt und schließlich Stück für Stück ins Reffenthal transportiert

 

Nun kam die Montage und damit das härteste Stück Arbeit. Ich sehe noch heute die ersten Tonnen ins Wasser plumpsen, uns hin­terher und die ersten Schrauben anziehen... aber das Werk wuchs und bald schwammen die »ersten Meter«. Allerdings war die gan­ze Sache noch sehr kippig und mehr als einer ging »über Bord« oder segelte - blies gerade mal ein steifer Wind - auf einer Tonne hockend auf und davon ins freie Wasser.

Die einzelnen Boxenausleger wurden fest montiert und schon hatte die ganze Chose Halt und bekam Stabilität. Die Holzbeläge wurden aufmontiert und stolzen Schrittes marschierten wir über »unsere Pritsche«. Der Anfang war gemacht. In wochenlanger Arbeit wuchs dann unser Bootshafen Meter um Meter. Unge­zählte leere Benzinfässer mussten geteert und montiert werden, es wurde gebohrt, gemessen, gehämmert, der Steg wuchs und wuchs, bis wir schließlich die ersten hundert Meter fertig hatten. Die Reeling musste angebracht und die Ausleger fest am Land ver­ankert werden... auch das war bald geschafft und unsere »Bau­menschen« Mähler, Schnepf und Heberger betonierten, dass es nur so seine Art hatte. Sie waren es auch, die zusammen mit Fritz Bender, unserem Hausarchitekten, fein säuberlich die Treppe am Damm fabrizierten.

Nun galt es noch den ganzen Steg zu streichen, das Holz zu konservieren und allem den letzten Schliff zu geben. Auch diese Ar­beit war bald bewältigt und rot/weiß, grün, schwarz und braun präsentierte sich der »Bootshafen« seinen stolzen Erbauern. Die einzelnen Boxen wurden nun noch am Kopfende ausgebaut, die Anlegeseiten mit Filz gepolstert, damit unsere lieben Boote sich ja nicht wundscheuern sollten. Zwischenzeitlich hatten die ersten Schiffe bereits ihr nagelneues Quartier bezogen, als erstes die »Undine« von Richard Händle. Der Bootshafen war fertig, unse­re Flottille hatte eine sichere, saubere und schöne Bleibe gefunden.

Zu erwähnen wäre noch, dass hier im einzelnen nicht all die treuen Helfer aufgezählt werden sollen, die unermüdlich beim Bau unse­res Bootsstegs mitgewirkt haben. Ihnen allen aber gilt der Dank des Clubs, nicht zuletzt aber auch unserem verstorbenen Grün­dungsmitglied Hannes Demmerle, unserer unvergesslichen und stets hilfsbereiten »Pex«, der nach einem schlimmen Südweststurm, der unsere ganze Pritsche aus der damals noch provisori­schen Verankerung riss, sofort mit seinem Fahrgastschiff »Pfäl­zerland« zur Stelle war und den Bootssteg wieder an Ort und Stel­le zurückmanövrierte.«



An einem strahlenden Juni-Wochenende, am 26./27. Juni 1965, feierten die MBCI'er das lang ersehnte Richtfest. Die Steganlage schwamm - der Flaggenmast stand und ragte stolz in den blauen Sommerhimmel.

Am Nachmittag kamen die Ehrengäste, an ihrer Spitze Direktor Jahn von den Speyerer Ziegelwerken, die die Grundstückseigen­tümer unseres Geländes waren. Erster Bürgermeister Josse und Bürgermeister Scherpf, die Freunde von der Wasserschutzpoli­zei, an ihrer Spitze Erster Hauptkommissar Ernst Billmeier, wa­ren ebenso zur Stelle wie die Vertreter des ADAC Gau Pfalz und des anderen Speyerer Ortsclubs. Auf dem Wasserwege waren un­sere befreundeten Clubkameraden vom Motorbootclub Pfalz, Ludwigshafen, vom Motorbootclub Kurpfalz, Mannheim, und die Kameraden vom Schiffbauer-, Schiffer- und Fischerverein Speyer, sowie von der DLRG angereist. Nach vielen herzlich ge­haltenen Grußworten und Glückwünschen gingen erstmals unse­re Clubflagge, die Flaggen des DMYV, des ADAC und die Natio­nale am schneeweiß und rot gestrichenen Mast hoch. Dazu wurde jeweils die große Schiffsglocke angeschlagen.

Gegen Ende der 60er Jahre wurde unsere heutige Steganlage, die in einem anderen Artikel dieses Büchleins beschrieben ist, geschaffen. Ein kleines Toilettenhaus in der Nordostecke des Club­geländes und ein Werkstatt- und Abstellschuppen neben der Ein­fahrt wurden ebenfalls gebaut. Parkplätze für die ordentlichen Mitglieder befanden sich - wie heute noch - innerhalb der Umzäu­nung. Es fehlte nur noch eine »gude Stubb«, ein Clubhaus, im »Paradies«

 

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